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Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, deshalb ist schon seit einiger Zeit bei allen Schülern in Deutschland „Homeschooling“ angesagt. Wie man dabei nicht die Nerven verliert und weitere wertvolle Tipps erfahrt ihr von zwei Grundschullehrerinnen, mit denen ich ein kleines Interview geführt habe. Außerdem gibt’s tolle Tipps für Apps zum Lernen!

Da sitzt man auf einmal mit seinem Drittklässer zuhause und soll von heute auf morgen der „Lehrer“ sein. Jeden Tag das Email Postfach voller Mails, Patrone und Papier schon wieder leer..“Ich will jetzt nicht lernen, ich will spielen“… der Mann sitzt im improvisierten „Home-Office“ nebenan und braucht eigentlich auch seine Ruhe, das Kindergartenkind baut seinen Holzturm auf, wirft ihn um und lacht dabei so lauthals, dass man ihm gar nicht böse sein kann… Punkt 12 Uhr „Mama, wir haben Hunger“
Dass ich auch eigentlich im Home-Office bin und auch irgendwann was arbeiten muss interessiert.. eigentlich keinen.

 

Liebe Frau N.: Wie schaffen es Eltern, in dieser Zeit Ruhe zu bewahren?

Frau N.:   Zuerst einmal würde ich den Eltern raten, sich selbst zu entstressen.

 

„SIE KÖNNEN UND SOLLEN IN DER AKTUELLEN SITUATION NICHT DIE KOMPLETTE LEHRERROLLE ÜBERNEHMEN“

(obwohl das in vielen Medien derzeit scherzhaft so parodiert wird).

Aus meiner Sicht liegt die Hauptaufgabe der Eltern darin, den Kindern zu vermitteln, dass diese Zeit keine Ferienzeit ist und dass weiterhin Schulaufgaben anstehen. Ein guter Kontakt zur Lehrkraft mit möglichen Heimarbeitsplänen unterstützt die Eltern dabei.

Jedoch finde ich es unglaublich wichtig, dass Eltern für sich selbst entscheiden, welcher Arbeitsumfang für die Familie im Moment tragbar ist. Hilfreich ist dabei schon, dem Kind, aber auch sich selbst, eine Struktur zu geben. Ich würde diese jedoch nicht zu eng fassen, z.B. es wird immer am Vormittag gearbeitet. Wie viel und wann genau dann gearbeitet wird, ist situationsabhängig. Bleiben dabei Aufgaben des Heimarbeitsplanes auf der Strecke, finde ich das nicht schlimm in diesem jungen Alter, wenn Kinder noch nicht selbstständig ihre Aufgaben erledigen können.

Wenn aber Aufgaben auf der Strecke bleiben, fehlt das den Kindern dann nicht, wenn die Schule wieder ihre Tore öffnet?

Frau N.: Mit Sicherheit fehlen den Kindern diese Übungen. Es wird jedoch sowieso Aufgabe der Schule bzw. Lehrkraft sein, die Heimarbeitszeit mit Öffnung der Schule gemeinsam zu reflektieren. Dabei wird auch analysiert, was bei den Kindern hängen geblieben ist und woran nachgearbeitet werden muss. Zudem kann in dieser außergewöhnlichen Situation auch einmal etwas komplett weggelassen werden. Nicht alle schulischen Themen bauen so engstirnig aufeinander auf, dass nicht etwas mal herausfallen könnte.

Ich sehe viel mehr das Problem, den Schülern die Motivation und Lust am selbstständigen, schulischen Arbeiten zu nehmen, wenn wir sie mit Aufgaben geradezu bombardieren und sie kein erreichbares Ziel vor Augen haben.

Das beruhigt sicher viele Eltern! Also ist es im Endeffekt doch mit am Wichtigsten, die Lust am Lernen nicht zu verlieren und immer motiviert zu bleiben!
Apropos Motivation. Es gibt Kinder, die lesen 3 Bücher in einer Woche, wie meine kleine Nichte, andere Kinder haben absolut keine Lust auf Lesen.
Welche Tipps hast du hier für die Eltern? Gibt es Alternativen zu den klassischen Büchern, die du empfehlen kannst?
Ich finde ja zum Beispiel, „Greg’s Tagebuch(klick *hier*) super unterhaltsam und durch die Aufmachung auch abwechslungsreich – aber ist so etwas auch pädagogisch wertvoll?

Frau N.: Beim Lesen kommt es meiner Meinung nach nicht vorrangig auf das pädagogisch Wertvolle an. Wir Erwachsene quälen uns ja auch nicht durch alle möglichen Sachbücher, obwohl uns das ein oder andere bestimmt etwas bringen würde. Alles, worauf die Kinder Lust haben, ist erfreulich und sollte gelobt werden (altersgemäß sollte es natürlich sein). Vor Kurzem hat mir eine Mutter erzählt, dass ihr Sohn endlich das Lesen für sich entdeckt hat und zwar durch die alten „Lucky Luke“-Comics (klick *hier*) ihres Mannes. Das finde ich eine wirklich gute Alternative. Gerade in Comics ist nicht zu viel Text verarbeitet, „faule Leser“ kommen gut voran und erschließen sich den Inhalt schnell. Die Zeichnungen dienen unterstützend für die Erfassung des Leseinhaltes.

 

Und auch an dich die Frage, liebe Frau S.: Wie schaffen es Eltern, in dieser Zeit Ruhe zu bewahren eine geregelte Struktur für das Schulkind zu schaffen?

Frau S.: Ich würde mich zuerst mit meinem Kind hin setzten und ganz in Ruhe versuchen einen Plan zu machen, der für uns beide passt – also Eltern und Kind.

 

„ES IST NATÜRLICH KLAR, DASS ZUHAUSE NICHT DAS GLEICHE GELEISTET WERDEN KANN, WIE IN DER SCHULE“

Aber dem Kind muss klar gemacht werden, dass jetzt keine Ferien sind und die Zeit jetzt gut nutzen kann um auch mögliche Lücken zu füllen. Ich würde zum Beispiel festlegen, dass von 8.30 – 9.30 Uhr die Aufgaben der Lehrerin erledigt werden (die Zeit kann man dann hoffentlich für das eigene Home-Office nutzen, zur Not muss das kleine Kind in dieser Zeit mit dem Fernseher oder sonstigem beschäftigt werden, es ist ja eine Ausnahmesituation).

Von 9.30 – 10.00 Uhr dann vielleicht Bewegungspausen einbauen, in der das Kind bestenfalls an die frische Luft geht (da kann dann auch das kleine Geschwisterchen wieder mit genommen werden).

Von 10.00 – 11.00 Uhr wird geschaut, was vielleicht noch geübt werden muss, kann zum Beispiel auch mit der Anton-App oder sofatutor.de (aktuell 1 Monat kostenlos) erfolgen. Jeder muss natürlich individuell  für sich und seine Familie schauen, was klappt und was nicht und ausprobieren, wie es für alle am Besten ist. Und dass das Einzelkind besser an seinen Sachen dran bleiben kann, als ein Schulkind mit drei kleinen Geschwistern, ist denke ich jedem klar!

Haben so aber nicht die „Einzelkinder“ oder eben Kinder, deren Eltern viel mehr Zeit investieren können, nicht weitaus größere Vorteile?

Frau S.: Vielleichten haben Einzelkinder bzw. Kinder mit Eltern, die mehr Zeit haben, in diesem Fall einen Vorteil.

„DAFÜR TRAINIEREN DIEJENIGEN MIT GESCHWISTERN VERSTÄRKT IHRE SOZIALEN SKILLS IN DIESER ZEIT“

Und den Lehrern ist natürlich klar, dass nicht alles was jetzt für Zuhause aufgegeben wird, auch wirklich jeder der Schüler gleichermaßen bearbeiten kann. Es wird ja jetzt vor allem viel geübt und wiederholt. Wenn die Schule dann mal wieder los geht muss natürlich eine Bestandsaufnahme gemacht werden, wo die Kinder jetzt stehen!

Ich bin mir sicher, mit euren Tipps klappt das gleich noch viel besser! Liebe Frau N., liebe Frau S., ich danke euch herzlich für dieses tolle Interview und wünsche allen Eltern weiterhin ein gutes Durchhaltevermögen!